Bergenbahn in Norwegen im Winter

Reisebericht! Ich Sommer 2024 war ich erstmals mit Zug, Bus und Schiff in Norwegen unterwegs – und ich war ganz begeistert. Deshalb wollte ich dies die ersten Tage im Januar 2026 auch einmal im Winter tun. Das Fazit direkt vorweg: Der Plan war gut – ich hatte nur die heftige Grippe nicht einkalkuliert ☹. Bereits am dritten Reisetag hat diese mir quasi den Boden unter den Füßen weggezogen und mich zunächst außerplanmäßig ins Hotelbett und dann zur verfrühten Heimreise gezwungen. Die ersten drei Tage waren aber wieder sehr schön und ich habe mich entschlossen, dazu doch etwas zu schreiben. Die im folgenden Text enthaltenen Tipps sehe ich v.a. für Bahnreisende als wertvoll an.

Ich finde die Videos diesmal deutlich schöner als die Handybilder. Auf meinem Instagram werde ich 5 Videos aus diesen Tagen veröffentlichen – ab dem 12.1. gibt es täglich eins.

Nr.1: Instagram

Tag 1- Anreise und Oslo

Für die Anreise mit dem Zug zum Flughafen Düsseldorf hatte ich mir gut 2 Stunden Reserven eingeplant und es gäbe noch weitere Reserve mit einem etwas späteren Check-In. Doch oh Wunder, meine Verbindung erreichte auf die Minute pünktlich Düsseldorf HBF. Wäre ich doch einfach bis zum Flughafen Fernbahnhof weiter gefahren und alles wäre gut gewesen.
Aber ich wollte zur S 11 umsteigen, weil ich für die Schwebebahn kein extra Ticket kaufen wollte. In meinem Ticket für Bahnmitarbeiter wäre das nicht enthalten (anders als bei Verbundtickets und bei Rail&Fly).
Es hatte zu schneien begonnen und da war sie dann, die berühmt berüchtigte DB- Weichenstörung. Da S – Bahnen endeten bzw. man nicht wusste, wann es wirklich weiter geht, bin ich zurück zu den Ferngleisen und dann doch mit der Schwebebahn zum Terminal. 30 Minuten der Reserve waren verbraucht, also blieb noch viel Zeit zum Lesen und für einen leckeren Kaffee in der großen Flughafenhalle. Etwa 2 Stunden vor Abflug ging ich zum Schalter, um den Rucksack aufzugeben. Ich fliege sehr selten und habe wenig Übung. Erstmals gab ich einen großen Rucksack auf. Deshalb habe ich mir eine Rucksackhülle gekauft, die v.a. das Tragesystem schützen soll. 

Das mit der ganzen Selbstbedienung ist ja schön und gut…..aber es hat seine Grenzen. Weil am besetzten Schalter eine lange Schlange war und es ewig nicht voran ging, nutzte ich online check in und Selbstausdruck des Paketanhängers. Nur wusste ich nicht, dass mein Rucksack trotz Hülle Sondergepäck ist. Dies erfuhr ich von einer Servicekraft. Also zum Sonderschalter. Da erfuhr ich dann nach weitem Warten, dass man das erst am normalen Schalter freischalten lassen muss. Also zurück ans Ende der Schlange an der ich 20Minuten vorher schon stand. Diesmal ging es zumindest langsam voran. Und in zweiten Anlauf wurde ich dann das Gepäck los. Nur, was in Düsseldorf Sondergepäck ist, ist es in Oslo noch lange nicht. Als sich da nach einem sehr guten Flug beim Sondergepäck ewig nichts tat, ging ich zurück zum normalen Gepäckband – und da lag mein Rucksack in seiner Hülle als letztes Teil und wartete einsam und verlassen auf mich :-).

Die Bahnfahrt vom Flughafen Oslo in die Stadt ist problemlos. Der Regionalzug braucht kaum länger als der neuere Flytoget und ist günstiger. Der Regionalzug kann auch mit FIP – Fahrscheinen genutzt werden. (FIP – das sind internationale Vereinbarungen von Eisenbahnbetrieben für die Mitarbeitenden). Der Flytoget – Flughafenzug gilt als Premiumprodukt. (Link)

In Oslo habe ich mein Gepäck ins Hotel gebracht und bin dann einmal vom Bahnhof zum Schloss gegangen. Der Wintermarkt läuft auch im Januar noch und war gut besucht. Schlittschuhlaufen ist dort gratis, wenn man Schlittschuhe selbst mitbringt. Es gibt eine schöne Stimmung, auch durch mehrere Lagerfeuer. 

Die Radisson Hotels am Schloss und am Bahnhof sind jeweils Hochhäuser und in den Bars hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Mitten in meiner Erkundungstour war ich zunächst in der Summit Bar. Sie soll den Gästen das Gefühl geben, auf dem Gipfel eines Berges zu stehen – der Blick auf Oslo ist atemberaubend! Adresse: Im Radisson Blu Scandinavia Hotel, Holbergsgate 30 (Nähe Schloss).

Obwohl die Straßen sehr glatt sind, ist kein Chaos in der Stadt, es läuft alles sehr entspannt. Einzig ein Straßenbahnfahrer viel mir auf, der eine Weiche freifegen und per Hand umstellen musste.

Viele Bars sind auf den Dachterrassen der Hotels oder in oberen Etagen. Man kann einfach auf einen Drink vorbeischauen und muss kein Hotelgast sein. Zum Abschluss des Tages hatte ich mir als zweite Adresse im Oslo Plaza am Bahnhof die internationale The Top Bar ausgesucht, in der man auf einer New-York-typischen Dachterrasse die Atmosphäre der Stadt aufsaugen kannst. Im Netz hieß es: „Nimm den spektakulären gläsernen Aufzug in den 34. Stock, der zur Gänze einer Bar mit einzigartigem Design und atemberaubender Aussicht gewidmet ist. Durch hochkarätige Barkeeper*innen und DJs fühlst du dich bei diesem besonderen Urlaubserlebnis auf 110 Metern über der Stadt dem Himmel bestimmt ganz schön nah“. Ich wollte da mal von innen rausschauen und etwas trinken. Allerdings hatte diese Bar die ersten Januartage geschlossen, so dass mir mit längerer Suche und etwas Glück nur ein kurzer Blick aus dem Restaurantbereich blieb. (Link)

Tag 2 – Bergenbahn:

Das Thon Hotel Terminus Oslo ist ordentlich, aber auch nichts Besonderes. Es war halt bezahlbar und nah am Bahnhof. Leider gibt es am Wochenende erst ab 7.30 Frühstück. Da ich um 8Uhr am Bahnhof sein wollte, blieb nicht viel Zeit. Direkt gegenüber dem Eingang kann man in ein Einkaufszentrum gehen und eine Ebene höher am Ende wieder raus. Über eine Brücke über die Straße gelangt man so trocken am Seiteneingang in den Bahnhof. 

Ich hatte den Morgenzug von Oslo nach Bergen gebucht. Wichtig: Die Reservierungspflicht wird in Norwegen sehr ernst genommen. Ohne Reservierung einsteigen wird gar nicht gern gesehen – so meine frühere Erfahrung. Ich hatte Anfang Dezember nur noch einen Platz am Gang ergattern können.

Für Reservierungen ohne gleichzeitigen Ticketkauf gibt es keine Onlinemöglichkeit – weder in Deutschland noch in Norwegen. Norwegische Bahnfirmen verweisen auf Nachfrage auf ihre jeweiligen Telefonhotlines.
Da ich nicht so sicher englisch spreche, habe ich mir die wichtigsten Reservierungen über die DB besorgt. Besetzte Schalter von DB-Fernverkehr können das buchen. Da es einen solchen Schalter in Düren nicht gibt und Köln ständig überlaufen war, habe ich die telefonische Buchung genutzt und muss der Kollegin da wirklich Lob aussprechen. Sie hat sich eingearbeitet und mir alle Buchungen per Mail zukommen lassen. Gezahlt wurde mit Kreditkarte. Diese Vorgehensweise ist die Einzige, die ich als passende Lösung recherchieren konnte, wenn man mit FIP Tickets fahren möchte. Bahnspezialreisebüros haben mir entweder gar nicht geantwortet oder sie konnten die Buchungen nicht durchführen. Ansonsten hätte ich mich nur noch an die norwegische Stellen wenden können.

Im Vorfeld habe ich darüber nachgedacht, wie es mit Licht und Dunkelheit im Winter sein wird. Im Raum Oslo wird es im Januar gegen 9Uhr hell, also so hell, dass man außerhalb der Stadt auch ohne Lampe zurechtkommt. Auf der Bergenbahn wurde es konkret ab Drammen hell. Allerdings bleibt es bei Bewölkung immer schummerig. Gegen 16 Uhr wird es wieder dunkel.
In Südnorwegen ist das also alles nicht dramatisch und ich hatte zudem noch großes Glück mit dem tollen Wetter. Was mir bei der Fahrt nach Bergen auffiel: Es gibt an vielen Häusern sehr gemütliche weihnachtliche Beleuchtung. Vermutlich tragen die vielen dunklen Tage und günstiger Strom auch dazu bei. 

Die Reise begann eher unspektakulär. Nach rund 2 Stunden wurde es spannender. Bäche; Flüsse und Felswände und auch der große See Krøderen waren total vereist. Einen zugefrorenen See der Größe von nah habe ich – glaube ich – noch nicht gesehen. Die Schneemengen halten sich zunächst sehr in Grenzen, aber man sieht den tagelangen Frost deutlich. 

Normalerweise gibt es eine Premiumklasse auf der Bergenbahn, wie bei uns die 1.Klasse. Da ich diese im Zug nicht erkennen konnte, habe ich beim nach Personal gefragt. „Diesmal leider ohne, der Wagen wurde ausgesetzt.“ Gibt es also auch in Norwegen ;-). Es gibt einen kleinen Kaffee-Wagen mit Sitzplätzen und eine Spielecke für Kinder sowie viel Stauraum fürs Gepäck. 

Ich war lange Zeit überrascht, dass ich immer noch Fensterplätze fand, obwohl bei der Buchung schon Wochen vorher keiner mehr frei war. Es sind also wohl viele Leute nur abschnittsweise unterwegs, diese hatten aber dadurch Fensterplätze für die Gesamtstrecke „blockiert“. So konnte ich doch ständig gut rausschauen – musste nur öfters den Platz wechseln. Zeitweise ermöglichte mir nur der Bistrowagen einen guten Blick nach draußen – aber ich war sehr zufrieden mit der Fahrt.
Mein Tipp: Von Oslo Richtung Bergen würde ich möglichst an der linken Seite einen Fensterplatz buchen! Natürlich gibt es auf beiden Seiten tolle Blicke, aber nach links (Süden) bietet m.E. die besseren Ausblicke.

Ich hatte wahnsinniges Glück mit dem Wetter. Über Mittag kam die Sonne raus, die Scheiben waren nur nach den Tunneln kurz vereist bzw. trübe. Also wirklich gute Bedingungen. Der Zug ist gut durch Schnee und Temperaturen von 10 Grad Minus gefahren. Problemchen waren nur einzelne defekte Steckdosen und Automatiktüren, die sich teilweise nicht öffnen ließen und die aber auch oft nicht zu gingen, was sehr kalte Luft in den Speisewagen brachte. Der Zugbegleiter war da nicht zu beneiden….

Von Geilo bis kurz hinter Myrdal ist eindeutig der schönste Streckenabschnitt, wie meine Videos euch auch ein wenig vermitteln werden. Schade, dass man die traumhaften Blicke auf gefrorene Bäche, Wasserfälle und ähnliches während der Fahrt nicht so sehr gut auf Bildern und Video festhalten kann. Von Voss bis Bergen fährt der Zug dann sehr viel in Tunneln und die Seen können da auch nichts mehr rausreißen, nach 7 Stunden Fahrt ist es dann auch mal gut ;-). Der Zug kam überpünktlich kurz vor 15Uhr in Bergen an und ich ging zur Unterkunft direkt am Bahnhof.

Fakten und Links zur Bergenbahn: Die Bergenbahn (auf Norwegisch Bergensbanen) von Oslo nach Bergen ist Nordeuropas höchstgelegene Bahnstrecke. Sie führt durch einige der schönsten Landschaften in Norwegen. Es gibt täglich vier Abfahrten zwischen Bergen und Oslo, und Sie können sogar den Nachtzug nehmen – was sehr praktisch, allerdings mit dem Nachteil verbunden ist, dass Ihnen die Ausblicke auf die Landschaften versagt bleiben! Die Fahrt mit der Bergenbahn zwischen Oslo und Bergen dauert etwa sieben Stunden, sie führt durch rund 180 Tunnels und hält an 22 Bahnhöfen. Quelle: Bergensbanen – mit dem Zug von Oslo nach Bergen – visitBergen.com (mit Karte)
Eine Fahrt mit der Bergenbahn bietet eines der spektakulärsten Naturerlebnisse Europas. Die Bahn fährt durch den Hardangervidda-Nationalpark und die Hardangervidda, Europas größte Hochebene. Die Bergenbahn wurde 1909 eröffnet und überquert das Hochgebirge zwischen den beiden größten Städten Norwegens, Oslo und Bergen. Die Bergenbahn ist die höchstgelegene Bahnstrecke Nordeuropas. Der höchste Bahnhof auf der Strecke ist der Bahnhof Finse mit 1222 Metern über dem Meeresspiegel. Siehe auch:
Die Bergenbahn in Norwegen | Spektakuläre Zugfahrt von Oslo nach Bergen

Garnd Hotel Terminus: Leider zeigen die veröffentlichten Bilder nur die halbe Wahrheit. Zunächst war ich auf Zimmer 108 der Villa gebucht. Die Villa ist ein von außen schönes, altes Haus mit netten Aufenthaltsräumen, aber deutlichen Problemen. Alles war sehr dunkel, mehrere Leuchten waren defekt. Im Zimmer war es unmöglich, mit dem Schummerlicht seine Sachen zu sortieren. Neben der wichtigsten Leuchte war auf das Sonnenrollo defekt, es ließ sich nicht öffnen. Ich bekam ein anderes Zimmer im Haupthaus angeboten. 614 war besser, aber auch nicht wirklich hell zu bekommen. Da muss deutlich nachgearbeitet werden. Ich liebe gut renovierte alte Gebäude, aber ich frage mich wirklich, wie das als 4 Sterne durchkommen konnte. 

Ich habe das schöne Bergen zu Fuß erkundet. Da ich mit dem persönlichen Bericht keine anderen Quellen wiederholen will, nur ein paar Eindrücke und Bilder. Es war sauglatt! Es war kaum geräumt und auf der Schneeschicht eine fiese Eiskruste entstanden. Scheinbar ist das hier aber ganz normal – die Leute arrangieren sich scheinbar damit. Viele tragen unter den Schuhen Spikes. Die habe ich auch – aber natürlich geschickter Weise zu Hause vergessen ☹.


Tag 3: Fløibahn
In Bergen hatte ich mir einen Tag Aufenthalt geplant und eine Winterwanderung vorgenommen. Da es auf Straßen ja so super glatt war, bin ich mit der Fløibahn rauf und runter gefahren und habe oben die Tour 3 von den Online-Wandervorschlägen gemacht. Da war man dann in der Natur und es ging sogar ohne Spikes sehr gut. Links: Fløibahn – visitBergen.com und Fløibahn Norway und Tour 3 – Kabine Brushytten

Es war ein wunderschöner Sonnentag und ich war wirklich begeistert, wie auch die Bilder zeigen. An der Bergstation habe ich den Sonnenuntergang um halb vier abgewartet und bin dann zurück. Leider merkte ich schon da die Grippe, die mich ab dem Abend flach legte. Ich habe die weiteren Planungen „in die Tonne gekloppt“ und bin nach ein paar Tagen im Bett nach Hause geflogen. Aber ich komme wieder – keine Frage! Und dann bestimmt auch wieder den ganzen Weg mit der Bahn – denn das geht über Dänemark und Schweden sehr gut.

Einschub: In Norwegen sind im vergangenen ‍Jahr fast nur noch reine Elektroautos neu zugelassen worden. Auch die Hersteller lieferten vermehrt E-Autos ‌nach Norwegen, um die Nachfrage zu decken. „Wir haben sehr schnell eine Reihe von Autos, die ursprünglich nicht für Norwegen bestimmt waren, umgeleitet, um sie schneller hierher zu bekommen“, sagte der Geschäftsführer von Ford Norwegen. Tesla war das 5. Jahr in Folge die meistverkaufte Automarke in Norwegen mit einem Marktanteil von 19,1 Prozent. Es folgten ⁠Volkswagen mit 13,3 Prozent und Volvo Cars mit 7,8 Prozent. Zudem stieg der Marktanteil von in China produzierten Autos auf 13,7 Prozent ⁠von 10,4 Prozent ‌im Jahr davor. An der Spitze stand der Autobauer BYD, der die Zahl seiner in dem skandinavischen Land verkauften Autos mehr als verdoppelte. Ich selbst musste in Bergen zweimal Taxi fahren und beide Male waren es Modelle von Tesla. Die Taxifahrer*innen waren sehr zufrieden mit E-Autos. Eine solche Aussage wäre bei Taxifahrer*innen in Deutschland wohl kaum zu finden 😊.

Noch ein Bergen -Tipp: Das Pauschalticket Zone A für die Buse und Straßenbahnen reicht auch bis zum Flughafen. Es kostet 49 NOK und wird am Automaten gekauft. Es gibt dabei keinen Papierfahrschein, sondern es wird auf der Karte hinterlegt. Sa zunächst einfach aus…. Aber ich habe trotz Hilfe durch einen Einheimischen 6 Versuche mit 3 verschiedenen Karten gebraucht und dies an 2 verschiedenen Automaten. Das System wollte einfach nicht….scheint nicht so perfekt zu funktionieren…..also etwas Zeitreserve einplanen. In der Tram wurde nur minimal geheizt. Wer also wie ich denkt, „blos nicht zu warm anziehen“, weil das Hotel direkt an der Tram liegt, der friert wie ich ;-).

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